Im Dezember 2000 hatte ich meinen ersten Job an der Tür eines Kaufhauses in der Münchner Innenstadt und im Februar 2001 meine erste Nachtschicht als Sicherheitsmitarbeiter im Objektschutz. Bis auf kürzere Unterbrechungen von einigen Monaten war ich seitdem überwiegend in diesem Job bei verschiedenen Arbeitgebern tätig. Ich habe viele Höhen und Tiefen, strukturelle Veränderungen des Berufes, der Ausbildungs- und Qualifizierungsrahmenbedingungen sowie gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen erlebt. Ich habe mit verschiedenen Menschen und Charakteren zusammengearbeitet. Zu meinen Kolleginnen und Kollegen zählten Quereinsteiger, Hilfsarbeiter, Facharbeiter, Akademiker, ehemalige Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere der Bundeswehr, der Nationalen Volksarmee der DDR und anderer Armeen, ehemalige Polizisten und Bundespolizisten, ehemalige Fremdenlegionäre und sogar Politiker. Meine Erfahrungen im Sicherheitsdienst habe ich in meinen persönlichen Memoiren niedergeschrieben, die irgendwann als Buch erscheinen werden. Bis es so weit ist, möchte ich mit dieser Artikelserie einen kleinen Auszug aus meiner Zeit als Wachmann im Objektschutz nach einem Vierteljahrhundert veröffentlichen.
Das Jahr 1999: Der Sicherheitsberuf aus der Distanz
Meine ersten Begegnungen mit der Sicherheits- und Bewachungsbranche reichen bis ins Jahr 1999 zurück. Damals schlenderte ich durch München und begegnete privaten Sicherheitskräften in Dienstkleidung, die in der Stadt präsent waren. Sie standen vor Geschäften, patrouillierten in Einkaufszentren, und Werttransporter parkten vor Banken und Supermärkten. An den Infotheken und Empfangsbereichen von Unternehmen saß Sicherheitspersonal, und auch in den S- und U-Bahn-Stationen waren Sicherheitsleute unübersehbar. Da ich nicht viel darüber wusste, nahm ich an, dass dieser Beruf eine spezielle Ausbildung oder gar ein intensives Kampftraining erforderte. Ich glaubte, man müsse jahrelang bei der Polizei oder im Militär gedient haben, um als „Security“ arbeiten zu können. Damals wäre es mir nie in den Sinn gekommen, selbst in diesem Bereich tätig zu werden.
Das Jahr 2000: Aussicht auf einen Job im Sicherheitsdienst
Im November 2000 saß ich mit meinem damaligen besten Freund Juan bei unserem Nachbarn Boris. Es war nicht ungewöhnlich, dass wir bei Boris zusammensaßen, Kaffee tranken und uns unterhielten. An diesem Tag erschien Juan in der Dienstkleidung einer privaten Sicherheitsfirma – schwarzer Pullover, schwarze Einsatzhose und schwarze Jacke, alles versehen mit dem Firmenlogo. Die Dienstkleidung machte schon Eindruck, das muss man zugeben. Juan, ein starker Raucher, zog an seiner Zigarette und erzählte mir von seinem neuen Job. Wir hatten uns seit über zwei Monaten nicht gesehen oder gesprochen, was sich wie eine Ewigkeit anfühlte. In dieser Zeit hatte sich Juans berufliche Situation drastisch verändert.
Ich konnte kaum glauben, dass er, trotz seiner nicht perfekten Deutschkenntnisse, eine so verantwortungsvolle Tätigkeit übernommen hatte. Er erzählte mir, dass er über einen Subunternehmer für die Firma arbeitet, ausschließlich Nachtschichten übernimmt und dabei gutes Geld verdient. Um das zu beweisen, zog er seine Lohnabrechnung aus der Tasche und zeigte sie mir. Der Nettobetrag belief sich auf 3600 Deutsche Mark – ein ansehnlicher Lohn für eine ungelernte Kraft zu dieser Zeit. Ich war fasziniert von der Möglichkeit, einen ähnlichen Job mit solchem Verdienst zu bekommen. Bis dahin hatte ich nur schlecht bezahlte Aushilfsjobs gemacht, ohne Aussicht auf beruflichen oder privaten Fortschritt. Juans neuer Job begeisterte mich, und die Idee, selbst bald besser zu verdienen, ließ mich nicht mehr los.
Gegen Ende des Jahres, in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, besuchte ich Juan öfter an seinem Arbeitsplatz. Er bewachte eine Baustelle in der Stadt. Wir saßen im warmen Baucontainer, und er zeigte mir seinen Rundgang auf der Baustelle. Vom obersten Stockwerk aus hatte man einen großartigen Blick auf die Stadt. Juan schlug mir vor, mich bei seinem Arbeitgeber zu bewerben, da dort dringend Personal gesucht wurde. Ich sagte ihm, dass ich in den nächsten Tagen meine Bewerbung vorbereiten würde. Im Jahr 2000 eine Bewerbung zu schreiben, ohne einen eigenen Computer oder Drucker zu haben, war eine kleine Herausforderung. Man musste jemanden kennen, der bereit war, einem zu helfen, die Unterlagen zu erstellen und auszudrucken. Doch das konnte man nicht allzu oft tun, um niemanden zu belasten.
Glücklicherweise gab es den Bewerbungsservice der Bundesanstalt für Arbeit. Im Hauptgebäude stand ein Raum mit mehreren Computern, Scannern und Druckern zur Verfügung, und zwei Mitarbeiterinnen halfen bei der Erstellung der Unterlagen. Man konnte sein Foto einscannen, in das Dokument einfügen und alles direkt ausdrucken. Ich erinnere mich, dass die Nutzungszeit pro Computer auf 30 Minuten begrenzt war, was aber völlig ausreichte. Einmal hatte ich meine Bewerbungsunterlagen erstellt und speicherte sie auf einer Diskette, sodass ich nur minimale Anpassungen vornehmen musste. Ende Dezember erstellte ich dann meine erste Bewerbung für eine Stelle als Sicherheitsmitarbeiter.
Das Jahr 2001: Erster Job im Wachdienst
Anfang Januar übergab ich Juan meine fertige Bewerbung als Sicherheitsmitarbeiter, damit er sie seinem Chef weiterreichen konnte. Nach etwa einer Woche meldete sich der Gründer und Inhaber der Sicherheitsfirma telefonisch bei mir. Wir vereinbarten ein Vorstellungsgespräch an einem der Objekte. Das Gespräch verlief äußerst positiv, und nach etwa einer halben Stunde hatte ich die Zusage: Ab dem 01.02.2001 würde ich als Sicherheitsmitarbeiter beginnen. Meine Freude über den neuen Job war groß, und ich malte mir bereits eine stabile berufliche Zukunft aus. Ich war dem Firmenchef sehr dankbar, dass er mir als Quereinsteiger ohne Berufserfahrung die Chance gab, im Sicherheitsgewerbe Fuß zu fassen. Die Firma war noch jung und agierte als Subunternehmer für eine mittelständische Sicherheitsfirma.
Am 01.02.2001 hatte ich meinen ersten Arbeitstag, der direkt mit einer Nachtschicht begann. An diesem Abend wurde ich in das Wächterkontrollsystem (WKS) eingewiesen und absolvierte meine ersten Rundgänge. Das Gebäude war noch teilweise eine Baustelle, und unsere Hauptaufgabe bestand darin, Brandwache zu halten. Zwischen den Rundgängen war es recht ruhig, sodass mir mein Kollege empfahl, in Zukunft etwas zu lesen mitzubringen. Also nahm ich ein Buch mit, um mir die Zeit zu vertreiben. Obwohl die Zeit auf dieser Baustelle angenehm war, wurde ich nach etwa zwei Wochen auf ein anderes Bauprojekt versetzt. Dort sollte ich ebenfalls in der Nachtschicht arbeiten, allerdings allein und somit quasi mein eigener Chef sein. Da das Gebäude renoviert wurde, hatte ich zu Beginn lediglich einen Holztisch und einen Stuhl zur Verfügung. Mit der Zeit kamen jedoch nach und nach mehr Möbel hinzu, und der Arbeitsplatz wurde gemütlicher. Ich gewöhnte mich schnell an die Routine und arbeitete Nacht für Nacht. Dennoch war es manchmal etwas eintönig, denn 12 Stunden pro Nacht an einem Ort zu verbringen, führte unweigerlich zu einer gewissen Monotonie. Um die Zeit zu füllen, las ich Zeitungen, Bücher und Zeitschriften, um mich weiterzubilden.
Der Arbeitsort war für mich von zu Hause aus gut erreichbar, und manchmal ging ich sogar zu Fuß in die Arbeit. Im März erhielt ich schließlich meinen ersten Lohn: 2.912,69 DM, was für mich der erste Verdienst im Wachdienst war. Im Sicherheitsgewerbe erfolgt die Auszahlung meist am 15. des Folgemonats. Nach etwa zwei Monaten auf der Baustelle wurde die erste Etage bezugsfertig, und die ersten Mitarbeiter des Kunden zogen ein. Ich lernte den Sicherheitschef des Kunden kennen, ein Unternehmen aus dem damals noch jungen IT-Sektor, das zur sogenannten Dotcom-Industrie der New Economy gehörte. Dieser Sektor befand sich seit 2000 in der Dotcom-Blase, und viele Start-ups kämpften ums Überleben. Wir erhielten einen Computer mit Internetzugang sowie einen Drucker, und ich nutzte die Nächte, um mir die Grundlagen im Umgang mit Computern anzueignen. Ich lernte, wie man Briefe in Word verfasst und erste einfache Tabellen in Excel erstellt. Zudem erkundete ich das damals noch junge World Wide Web und tauchte tief in diese faszinierende digitale Welt ein. Ab diesem Moment wuchs in mir der Wunsch, einen eigenen Computer oder Laptop zu besitzen.
Erste Qualifizierung im Sicherheitsdienst
Die berufliche Aus- und Weiterbildung war für mich oberste Priorität. Schon im Vorfeld hatte ich mich ausführlich über die Unterrichtung gemäß § 34a GewO sowie die Werkschutzlehrgänge I bis IV informiert, die ich Schritt für Schritt absolvieren wollte. Mein Ziel war es, am Ende den Abschluss als Geprüfte Werkschutzfachkraft bei der IHK zu erlangen. Zu dieser Zeit war dies der wichtigste Abschluss im Sicherheitsgewerbe, bevor die duale Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit (FSS) und später der Abschluss zur Geprüften Schutz- und Sicherheitskraft (GSSK) eingeführt wurden. Ich setzte mir ehrgeizige Ziele und war mir bewusst, dass der Weg lang und herausfordernd sein würde. Doch meine Motivation war groß, und ich konnte es kaum erwarten, endlich loszulegen.
Schon bald meldete mein Arbeitgeber mich für die Unterrichtung nach § 34a GewO an, die im April stattfand. Da ich in Nachtschichten arbeitete, war es nicht einfach, mich tagsüber für eine Woche aus dem Betrieb zu nehmen, also entschieden wir uns für eine Abendunterrichtung. Diese fand vom 23. bis 27. April 2001 jeweils von 18 bis 21 Uhr statt. Nach dem Unterricht fuhr ich direkt zur Arbeit und absolvierte meine Nachtschicht von 22 Uhr bis sechs Uhr morgens. Die Unterrichtung deckte mehrere Themengebiete ab:
- Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung,
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB),
- Straf- und Strafverfahrensrecht, einschließlich Umgang mit Waffen,
- Unfallverhütungsvorschriften für Wach- und Sicherungsdienste,
- Umgang mit Menschen,
- Sicherheitstechnik.
Besonders das Thema Recht interessierte mich damals – und tut es noch heute. Während viele meiner Kollegen die rechtlichen Inhalte eher als trockenen Stoff ansahen, der eben dazugehört, fand ich großen Gefallen daran, mich mit den Vorschriften des BGB und den Straftatbeständen des StGB auseinanderzusetzen. Im Unterricht hatten wir die Möglichkeit, Fragen zu stellen und unser Wissen zu vertiefen. Nach einer Woche war die Schulung abgeschlossen, und am 27.04.2001 erhielt ich mein Zeugnis über die Unterrichtung nach § 34a der Gewerbeordnung. Stolz machte ich eine Kopie und schickte sie meinem Arbeitgeber.
Das Objekt, an dem ich eingesetzt war, wurde für mich zu einer Art zweitem Zuhause und ich betrachtete es irgendwann als „mein Objekt“. Obwohl ich ausschließlich in der Nachtschicht arbeitete, war ich der einzige Mitarbeiter, der dort dauerhaft eingesetzt war. Daher hatte ich wenig Kontakt mit dem Kunden oder den Abläufen des Tagesgeschäfts. Mein Chef gab mir die Freiheit, meinen Dienstplan selbst zu gestalten. Jeden Monat rief er mich an und fragte, wann ich arbeiten wollte. Ich nannte ihm meine Wunschtermine und bekam genau die Schichten, die ich haben wollte – ein Luxus, den ich im Wachdienst wohl nie wieder erleben werde. Mein Chef war in dieser Hinsicht sehr entgegenkommend und behandelte seine Mitarbeiter gut.
Doch es gab auch einen unangenehmen Vorfall: Einmal musste ich mich wegen starker Zahnschmerzen krankmelden. Ich informierte meinen Chef einige Stunden vor Dienstbeginn, aber er versuchte, mich davon abzuhalten. Sinngemäß sagte er: „Das geht nicht, ich habe keine Leute, du kannst jetzt nicht zu Hause bleiben.“ Ich blieb jedoch standhaft und erklärte ihm, dass ich nicht zu Hause bleiben will, sondern zum Zahnarzt muss, und dass ich keine Erlaubnis für eine Krankmeldung benötige, sondern lediglich meine Arbeitsunfähigkeit mitteile. Schließlich lenkte er ein.
Die unglückliche Wende und Kündigung
Den Sommer über arbeitete ich fleißig in meinen Nachtschichten, sammelte viele Stunden und verdiente gutes Geld. Doch ab dem Herbst nahmen die Dinge eine negative Wendung. Am 11. September war ich auf dem Weg zur Arbeit und hörte die Gespräche der Buspassagiere über Opfer. Es war offensichtlich, dass etwas Dramatisches passiert war, aber ich wusste noch nicht, was. Erst als ich an meinem Arbeitsplatz ankam, erfuhr ich von 9/11. Dieser Tag veränderte nicht nur die weltpolitische Lage, sondern hatte auch tiefgreifende Auswirkungen auf die Wirtschaft in Deutschland – und letztlich auch auf meine Karriere im Wachdienst. Innerhalb weniger Wochen begann eine Rezession in Deutschland, und ab Oktober wurden erste Positionen an meinem Objekt von Führungskräften des Auftraggebers besetzt. Das bedeutete, dass der Auftraggeber an anderen Orten Aufträge verloren hatte und seine Mitarbeiter nun anderweitig unterbringen musste.
Im Oktober wurde ich auf das Objekt versetzt, bei dem ich einige Monate zuvor meinen ersten Arbeitstag im Sicherheitsdienst hatte. Inzwischen war das Gebäude komplett renoviert, und wir arbeiteten zu zweit in der Schicht. Obwohl die Bedingungen dort gut waren, vermisste ich mein vorheriges Objekt und spürte, dass die Zukunft unsicher war. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass meine Zeit bei diesem Arbeitgeber zu Ende ging – und so sollte es auch kommen. Am 16. November 2001 erhielt ich zusammen mit Juan die betriebsbedingte Kündigung.
Mein Chef zeigte offen, dass ihm die Trennung schwerfiel. Auch er war jetzt am Empfang meines ehemaligen Objekts eingesetzt und musste um seine Position als Einsatzleiter bangen, obwohl er selbstständig war und Mitarbeiter hatte. Zum Abschluss erhielt ich ein hervorragendes Arbeitszeugnis, doch das änderte nichts daran, dass ich über das Ende meiner Beschäftigung bei meinem ersten Arbeitgeber im Wachdienst enttäuscht war. So ging das Jahr 2001 zu Ende, und damit ein Kapitel, das für mich vielversprechend begonnen hatte.
2002 – 2004: Job auf einem Großobjekt und auf dem Oktoberfest
Nach der Kündigung meldete ich mich Ende 2001 bei der damaligen Bundesanstalt für Arbeit arbeitssuchend. Trotz der Kündigung zog ich eine positive Bilanz: Ich hatte bereits die Unterrichtung nach § 34a absolviert und erste Berufserfahrung gesammelt. Schon kurze Zeit später erhielt ich eine neue Chance bei einem großen Sicherheitsunternehmen und wurde Anfang 2002 als Werkschutzkraft eingestellt.
Das zu bewachende Großobjekt war mit meinen bisherigen Einsätzen nicht zu vergleichen. Mehrere Tore, Empfänge und eine moderne Sicherheitszentrale sorgten für ein deutlich professionelleres Umfeld. Meine erste Station war der Empfangsdienst, wo täglich mehr als tausend Menschen das Gelände betraten. Neben organisatorischen Aufgaben waren auch PC- und Englischkenntnisse gefragt, da regelmäßig internationale Besucher betreut werden mussten.
Im Sommer 2002 absolvierte ich die Werkschutzlehrgänge I und II beim Bayerischen Verband für Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW). Diese Qualifizierungen waren für den Einsatz im Werkschutz wichtig und wirkten sich auch auf die tarifliche Bezahlung aus. Gleichzeitig eröffneten sie weitere Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Sicherheitsdienstes.
Mit zunehmender Erfahrung lernte ich jedoch auch die typischen Herausforderungen des Objektschutzes kennen. Besonders die Dienstplanung war häufig schwierig, da krankheitsbedingte Ausfälle, Urlaubszeiten und kurzfristige Änderungen immer wieder für Spannungen zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitern sorgten.
Im Jahr 2003 sammelte ich zusätzlich neue Erfahrungen im Veranstaltungsschutz auf dem Münchner Oktoberfest. Zwei Wochen lang arbeitete ich in einem Festzelt mit einer großen Sicherheitsmannschaft. Vor allem in den Abendstunden kam es immer wieder zu Konflikten, wenn alkoholbedingte Auseinandersetzungen oder Diskussionen mit Gästen entstanden. Diese Einsätze unterschieden sich deutlich vom strukturierten Alltag im Werkschutz.
Trotz der Herausforderungen waren diese Jahre für mich eine prägende Zeit, in der ich viele wichtige Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen der Sicherheitsbranche sammeln konnte.
2005 – 2006: Prüfung zur Werkschutzfachkraft IHK
Nach dem Oktoberfest 2004 begann für mich die spannendste Phase meiner bisherigen Laufbahn im Sicherheitsdienst. Am Standort, an dem ich eingesetzt war, gab es ein hochsicheres Objekt mit Kohlendioxidlöschanlage und einer eigenen betrieblichen Brandschutztruppe. Diese Einheit war dafür zuständig, bei Brandalarmen sofort einzugreifen und erste Maßnahmen einzuleiten, bis die Feuerwehr eintraf.
Im Zuge einer Umstrukturierung wurde ich Ende 2004 gemeinsam mit vier Kollegen für diese Brandschutztruppe ausgewählt. Nach der arbeitsmedizinischen Untersuchung folgte ein Atemschutzlehrgang bei der Freiwilligen Feuerwehr Miesbach, bei dem wir die Grundlagen des umluftunabhängigen Atemschutzes erlernten. Damit begann für uns eine intensive Einweisung in den abwehrenden Brandschutz.
Die Arbeit in der Brandschutztruppe brachte eine enorme Verantwortung mit sich. In Notfällen konnten Sekunden über den Ausgang einer Situation entscheiden. Die Ausbildung war deshalb streng und fordernd, doch sie schweißte die Mannschaft zusammen. Über die Jahre entwickelte sich eine starke Kameradschaft – aus Kollegen wurden teilweise sogar Freunde. Insgesamt war ich drei Jahre Teil dieser Einheit.
Parallel verfolgte ich weiterhin mein Ziel, mich fachlich weiterzuqualifizieren. 2005 meldete ich mich zu den Werkschutzlehrgängen III und IV an, um die Prüfung zur Geprüften Werkschutzfachkraft IHK abzulegen. Da mein damaliger Vorgesetzter diese Weiterbildung nicht unterstützen wollte, nahm ich dafür sogar Urlaub.
Nach intensiver Vorbereitung bestand ich die Prüfung schließlich 2006 im zweiten Anlauf. Mit dem erfolgreichen Abschluss begann für mich ein neuer Abschnitt in meiner beruflichen Laufbahn im Sicherheitsdienst. Gleichzeitig machte sich die Qualifikation auch finanziell bemerkbar, da sich mein monatliches Einkommen deutlich erhöhte.

2007 – 2008: Weltweite Finanzkrise und Umschulung zum LKW-Fahrer
Ende Februar 2007 kam es zu meinem ersten ernsthaften Konflikt mit dem damaligen Objektleiter. Ich hatte erklärt, dass ich nach meiner Lohnerhöhung nicht mehr über 240 Stunden im Monat arbeiten müsse. Der OL reagierte wütend und plante meinen Dienstplan daraufhin so, dass ich im März über 260 Stunden arbeiten sollte. Nach dem ersten Dienstblock meldete ich mich wegen Überlastung krank. Im April war der Dienstplan wieder normal.
Im Laufe des Jahres dachte ich immer stärker darüber nach, die Sicherheitsbranche zu verlassen. Die Wechselschichten und die vielen Stunden belasteten mich zunehmend. Ein möglicher Ausweg erschien mir der Beruf des LKW-Fahrers. Nachdem ich meinen Schwager bei der Arbeit begleitet hatte, reifte der Entschluss, den Führerschein der Klasse CE zu machen – trotz der hohen Kosten von rund 5000 Euro.
Im Sommer 2007 stiegen die Zinsen für Interbankfinanzkredite in den USA sprunghaft an und die Subprime-Krise nahm ihren Lauf. Aus dieser Krise entwickelte sich im Laufe des Jahres 2007 und 2008 die größte Weltfinanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Realistisch betrachtet war es nicht der beste Zeitpunkt, um den Job zu wechseln. Doch, auf dem Objekt, an dem ich war, konnte ich nicht bleiben, durch die unregelmäßigen Wechselschichten und sogenannte kurze Wechsel hatte ich über Monate Schlafstörungen und Besserung war nicht in Sicht.
Im März 2008 fasste ich endgültig den Entschluss, einen Intensivkurs in einer Münchner Fahrschule zu absolvieren. Die Ausbildung war anstrengend, doch ich bestand zunächst die Theorieprüfung und schließlich im August auch die praktische Prüfung. Damit hielt ich meinen LKW-Führerschein in den Händen.
Die Jobsuche erwies sich jedoch schwieriger als erwartet. Viele Firmen verlangten Berufserfahrung. Schließlich erhielt ich bei einer Transportfirma zwei Probetage, doch der Arbeitsalltag – lange Tage, hoher Druck und körperlich schwere Arbeit – überzeugte mich nicht.
Im Herbst bewarb ich mich bei einer Firma in Gräfelfing, bei der mein Schwager arbeitete, und bekam den Job. Nach langem Überlegen entschied ich mich, meinen bisherigen Arbeitgeber nach sieben Jahren zu verlassen und den neuen Job anzunehmen.
Anfang Dezember 2008 begann ich dort. Die Realität sah allerdings anders aus als erwartet: extrem lange Arbeitstage und schwere körperliche Arbeit bei der Getränkeauslieferung. Nach vier Wochen erkannte ich, dass dieser Job nichts für mich war und beendete das Arbeitsverhältnis noch in der Probezeit.
Zum Jahreswechsel stand ich wieder am Anfang – bereit, mich erneut beruflich neu zu orientieren.
2009 – 2012: Neuer Job bei einem globalen Unternehmen und die Prüfung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit
Nach der Finanzkrise begann ich 2009 meine Arbeit als Werkschutzfachkraft bei einem global tätigen Sicherheitsunternehmen. Die Arbeitsbedingungen waren an den ersten zwei Objekten schlecht, doch dann wurde ich an einem sehr schönen und modernen Objekt eingesetzt. Ich arbeitete mich ein, übernahm verschiedene Posten und wurde später Schichtleiter und Disponent der NSL.
Zusätzlich zum Abschluss als Geprüfte Werkschutzfachkraft IHK wollte ich den Abschluss als Fachkraft für Schutz und Sicherheit ablegen. Ich meldete mich auf dem zweiten Bildungsweg für die Prüfung an und bestand im Herbst 2011 die schriftlichen Prüfungen. Im Februar 2012 bestand ich die Prüfung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit und arbeitete weiter als Disponent und Schichtleiter in der Notruf- und Service-Leitstelle.

Als mein Arbeitgeber im Jahr 2012 einen Teil des Auftrags verlor, versuchte die Unternehmensleitung mich zu einer Eigenkündigung zu drängen. Ich weigerte mich, legte Beschwerde beim Betriebsrat ein und blieb zunächst im Dienst. Letztlich endete mein Arbeitsverhältnis Ende 2012 gegen eine Abfindung.
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