Am Berliner Kottbusser Tor soll künftig künstliche Intelligenz dabei helfen, Gewalt und Notfälle frühzeitig zu erkennen. Die Polizei plant nach einem Bericht von Netzpolitik.org den Einsatz von insgesamt 30 Kameras. Die ersten Geräte seien bereits installiert worden.
Das Kottbusser Tor gilt als einer der am stärksten belasteten Kriminalitätsschwerpunkte der Hauptstadt. Mit einer eigenen Polizeiwache, verstärkter Präsenz und zusätzlichen Befugnissen hatte das Land bereits versucht, die Lage zu verbessern. Nun setzt Berlin ergänzend auf automatisierte Videoanalyse.
Software soll Gewalt und Notfälle erkennen
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) verteidigte das Vorhaben am 24. August 2026 im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Ziel sei es, herauszufinden, welchen Beitrag moderne KI-Technologie zur frühzeitigen Erkennung von Gefahrensituationen leisten könne. Zudem sollen Einsatzlagen schneller erfasst und die Aufmerksamkeit der Polizeikräfte gezielt auf verdächtige Vorgänge gelenkt werden.
Die geplanten Systeme sollen Videobilder in Echtzeit auswerten und bestimmte Bewegungsmuster automatisch identifizieren. Dazu gehören nach Angaben der Polizei Gewalthandlungen und andere Gefahrensituationen. Auch regungslos am Boden liegende Menschen, die möglicherweise medizinische Hilfe benötigen, sollen erkannt werden.
Registriert die Software einen auffälligen Vorgang, wird dieser einem menschlichen Beobachter angezeigt. Er soll die Situation bewerten und gegebenenfalls weitere Maßnahmen einleiten. Die Entscheidung über einen Polizeieinsatz trifft somit nicht allein das KI-System.
Nach Informationen von Netzpolitik.org nutzt die Polizei unter anderem zwei Kameramodelle des schwedischen Herstellers Axis. Zum Einsatz kommen demnach eine Q1809-LE mit Weitwinkelobjektiv sowie eine Q3839-PVE, die eine Rundumsicht ermöglicht. Beide Modelle sollen mit besonders lichtempfindlichen 8K-Sensoren ausgestattet sein. Die Software für die automatisierte Auswertung stammt vom Dortmunder IT-Dienstleister Adesso.
Vor dem regulären Betrieb müssen die Kameras zunächst kalibriert werden. Dabei wird das System an die tatsächlichen Bedingungen am Kottbusser Tor angepasst und auf seine Funktionsfähigkeit geprüft. Erst anschließend soll die KI-Analyse vollständig aktiviert werden.
Kritik an bisherigen Sicherheitsmaßnahmen
Wie angespannt die Situation am Kottbusser Tor weiterhin ist, wurde auch in der Sitzung des Innenausschusses deutlich. Gemessen an der Fläche sei die Kriminalitätsbelastung dort mit Abstand am höchsten.
Der Linke-Abgeordnete Niklas Schrader verwies darauf, dass weder die Einrichtung einer eigenen Polizeiwache noch zusätzliche Befugnisse die Belastung bislang spürbar verringert hätten. Ob die KI-gestützte Videoüberwachung daran etwas ändern kann, soll nun der geplante Test zeigen. Zugleich dürfte das Projekt eine neue Debatte über Datenschutz und die Grenzen automatisierter Überwachung im öffentlichen Raum auslösen.
- Berlin erprobt KI-Videoüberwachung am Kottbusser Tor – 25. August 2026
- Deutsche Bahn erweitert Bodycam-Einsatz an Bahnhöfen – 13. August 2026
- Europas Flughäfen kämpfen mit dem EES: Biometrische Kontrollen werden zeitweise ausgesetzt – 6. August 2026




![Meine Arbeit als Security [Teil II] Meine Arbeit als Security [Teil II]](https://werkschutzportal.de/wp-content/uploads/2025/07/security-300x200.jpg)
Schreibe einen Kommentar